
Tannin-Gerbstoffe, Flavonoide und Bitterstoffe. Biogene Amine und kleine Mengen ätherischen Öls.
Der Frauenmantel wächst fast in ganz Europa, Nord- und Mittelasien sowie im östlichen Nordamerika. Man findet ihn auf Wiesen und Weiden, auch an Bachufern und Waldrändern. Für Heilzwecke verwendet man hauptsächlich die Blätter ohne Stiele. Sie werden in der Blütezeit gesammelt.
Indikation
Die Wesenskraft der Alchemilla gibt Schutz, wenn die Seele weint. Sie sammelt und zentriert die Vitalkraft. Sie beschützt die weiblichen Seelenkräfte und schenkt die Fähigkeit zur mütterlichen Fürsorge. Durch die krampflösende Wirkung findet die Heilpflanze bei unspezifischen Durchfallerkrankungen mit Tenesmen und als „Frauenpflanze“ hauptsächlich bei Dysmenorrhoe, Metrorrhagie, unregelmäßigen Zyklen und klimakterischen Störungen Anwendung. Während der Schwangerschaft soll die Heilpflanze die Gebärmutter tonisieren und bei Stillenden die Milchbildung fördern.
Signatur
Schon beim Namen stellt der Frauenmantel die Beziehung zum weiblichen Geschlecht her. Die gefalteten Blätter erinnern an Frauenumhänge früherer Zeiten. Alchemilla vulgaris gehört zu den Rosengewächsen. Die etwa 30 cm hohen Halbrosettenstauden gedeihen auf kalkreichem, aber auch auf kalkarmem Boden, wodurch sie ihre ausdauernde Lebenskraft demonstrieren. Die handförmigen, langstieligen Blätter sind 7-11-teilig gelappt und gefaltet. Aus zahlreichen Öffnungen zwischen den Wimperhaaren an den Blatträndern scheidet die Pflanze Wasser aus, das sich in einem silbrigen Tropfen in der Blattmitte sammelt. Die Pflanze birgt schützend diesen köstlichen klaren Silbertropfen wie eine kostbare Perle in ihrem Schoß. Diese Signatur spricht hier eine deutliche Sprache. Alchemilla steht für die Bejahung der weiblichen Lebensrhythmen, die eng mit dem Mond verbunden sind und für die beschützende und bewahrende und hervorbringende Aufgabe der Frau. Die gelblichgrünen Blüten stehen in Dolden an der Spitze der großen Stängel. Die Blütezeit ist von Mai bis August. Die Frucht ist von einem weichen Kelchbecher umschlossen, sie entwickelt sich geschützt, wie in einer Gebärmutter. Die meisten Arten aus der Familie der Alchemilla sind apomiktisch, d.h. sie entwickeln Früchte ohne Befruchtung. Obwohl die Familie vielfältige Formen ausbildet, ist aber die einzelne Art stabil und ausdauernd. Sie ruht in sich selbst und strahlt diese ruhige Mittung auch in die Empfindung des Betrachters aus.
Tradition
Der lateinische Name geht wohl auf die Alchemisten zurück, die den silbrigen Tautropfen sammelten und diesen für ihre Elixiere verwendeten. Schon in der antiken Medizin war der Frauenmantel als heilige Pflanze im Gebrauch und man glaubte, dass sie den Frauen ihre Jungfräulichkeit wieder zurück gäbe und die durch Mutterschaft und Alter erschlaffte Brust festige. Frauenmantel war auch bei den Germanen sehr geschätzt, die die Pflanze der Frigga, der Göttin der Natur und Fruchtbarkeit weihten. Wegen seiner zusammenziehenden Wirkung wurde er zur Blutstillung, gegen Lungentuberkulose und bei offenen Beinen gegeben. Auch als Spezifikum bei allen Frauenleiden wurde Frauenmantel angewandt. Paracelsus rühmt die Heilkraft der Alchemilla bei allen Wunden der Schleimhäute. Er bevorzugte die getrunkene Form. Auch Matthiolus und Lonicerus beschreiben die gute Wirkung als Wundheilkraut. In der russischen Volksmedizin galt Alchemilla-Tee als sicheres Mittel, um erschlafftes Muskelgewebe, vor allem im Bereich des Unterleibs zu tonisieren. Hildegard von Bingen empfahl ihn gegen Kehlgeschwüre. In der Schweiz wäscht man mit Alchemilla-Blättern die Haut, um Sommersprossen zu vertreiben.